Gedanken.Gut

Très très fort

Mai 23rd, 2010

Nach der Eröffnung der Duisburger Akzente und Local Hero Woche gestern hab es heute auch wieder ein wenig Welttheater. Der Ringlokschuppen gab ein Gastspiel im Malersaal des Theater Oberhausens mit der Produktion Très très fort von Ginstersdorfer/Klaßen. Darin immitieren vier ivorische Schauspieler Politiker und Gesellschaft der Elfenbeinküste – in der französischen Landessprache. Diese wird jedoch nicht mit einem Übertitel übersetzt, wie es mitunter grausiges Mittel am Theater ist. Statt dessen werden sie von zwei deutschen Schauspielern übersetzt, die Satz für Satz, teils Wort für Wort übersetzen.

Aus diesem Zwischenspiel gewinnt der Abend eine ganz große Kraft. Mal sind die beiden eher nüchterne Übersetzer, mal Teil des Bühnengeschehens. Mal integriert, mal weiße Fremdkörper im kraftvollen Spiel der dunkelhäutigen Akteure. Mal Freunde, mal Feinde.

Der Abend erzählt keine dramatische Geschichte – außer die des von steten Kriegen und Krisen erschütterten Landes. Es gibt keine geschlossene Dramaturgie, was das jedoch eine Schwäche von Très très fort ausmacht: Es fehlt ein Höhepunkt, ein wirkliches Ende, vielmehr reiht sich eine Anekdote, ein Beispiel, eine Geschichtesfragment an das andere. Vielleicht liegt gerade darin das Konzept, denn auch die Situation der Elfenbeinküste kennt keine Auflösung. Zudem wird es nicht langweilig und am Ende war ich sehr überrascht, dass plötzlich zwei Stunden um gewesen sind. Das liegt vor allem an den vier ivorischen Darstellern, die eine starke Präsenz besitzen, mit großer Energie und charmantem Witz agieren. Man merkt in jeder Szene, dass sie eine Dringlichkeiten haben, etwas erzählen: über ihr Land, ihre Kultur, ihre Heimat. So kommt die Inszenierung auch ohne Schnörkel (etwa gerade einmal zwei Lichtstimmungen) aus und setzt ganz auf die Ausdruckskraft seiner Akteure.

Es ist letztlich Doku-Theater, das seine Thematik nicht in ein erzählerisches Fallbeispiel verpackt, sondern mit ivorischer Stimme und erfrischend selbstironisch über ein fremdes Land spricht.

Vor mich eine ganz deutliche Empfehlung für alle, die am Pfingstsonntag noch nichts vorhaben: Ab 20.00 Uhr kann man Très très fort im Ringlokschuppen in Mülheim sehen.

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