Seit kurzem gibt es einen neuen Blog zum Thema DSA: Gotongi. Motto: Wir sehen alles. Und kommentieren es. Die Kollegen von Arkanil haben sich dies bereits angeschaut und ebenfalls kommentiert. Ich habe mir ein paar Tage Zeit genommen, um mich zu fragen, ob ich auch etwas dazu schreiben will.
Na gut, ich mache es.
Gotongi sagt von sich, ein Blog von Rollenspielern zu sein, die der Überzeugung sind, dass Rollenspiele von der aktiven Meinung der Community profitieren und leben. Bis hierhin erst einmal keine verkehrte Sicht. Da die oder der Betreiber des Blogs der Ansicht ist, dass Ulisses Spiele als Rechteinhaber und Herausgeber des Rollenspiels Das Schwarze Auge momentan Vieles, wenn nicht Alles in dieser Hinsicht falsch macht, hat man sich dem Kampf gegen den “totalitären Herrscher” verschrieben, um aus dem Schutz der Anonymität heraus die Missstände anzuprangern. Und man gefällt sich sehr in dieser Rolle.
Gotongi. Dies ist ein Name, der dem DSA-Spieler in der Regel ein Begriff ist. Es ist die Bezeichnung für einen Dämon, ein meist unsichtbares, geflügeltes Auge, das von seinem Beschwörer als Spion eingesetzt wird. Wahlweise wird es der Gefolgschaft des Erzdämonen Amazeroth (dem Schenker des Irrsinns) oder des niederhöllischen Fürsten Blakharaz (dem Herrn der Rache) zugeordnet. Von dem größenwahnsinnigen Dämonenkaiser und Erzschurken Galotta wurden die Gotongi zu Hunderten verwendet, um einen totalitären, finsteren Überwachungsstaat aufrecht zu erhalten. Selten schien mir ein Name passender gewählt.
Der oder die Betreiber pochen auf ihre Anonymität, die ihnen das Internet verspricht. Dieser verschleiernde Mantel wird gerne genutzt, um seine Meinung lautstark zu verbreiten, ohne sich persönlich einer Diskussion stellen zu müssen. Ich habe auch schon Angriffe oder zumindest kritische Meinungen von Con-Gängern in Foren lesen müssen, die offensichtlich in meinen Workshops oder Spielrunden auf Cons saßen, mir ihre Ansichten vor Ort aber nicht mitteilten, sondern sie lieber später in Foren ausbreiteten. Ich persönlich finde das immer sehr schade, denn nirgendwo sonst ist der Kontakt zwischen Machern und Konsumenten, Autoren und Spielern direkter und offener als auf Cons. Viele (in der Regeln unnötige) Missverständnisse und Missstimmungen, die in Forendiskussionen aufkommen können, lassen sich dort relativ leicht vermeiden. Wird diese Gelegenheit bewusst ignoniert, aus welchen Gründen auch immer, bleibt für mich diese Frage, ob es demjenigen wirklich um eine kritische Diskussion geht oder schlicht um Meinungsmache. Ersteres erachte ich als extrem wichtig und für alle Beteiligten als gewinnbringend. Letzteres als mühsam und nicht zwingend nötig, geht es doch meistens darum, Recht haben zu wollen.
Unsichtbar und nicht fassbar zu sein macht Vieles einfacher. Vor allem macht es mutiger. Dies ist ein Punkt, den ich schon seit langem sehr kritisch sehe und der sich in Gotongi zuspitzt.
Letztlich will Gotongi auch, dass es nicht um eine Person, sondern um die Sache geht. Bleiben wir also bei der Sache, der Kritik an Ulisses. Ohne Frage gibt es hier Punkte, die besser werden können, nehmen wir etwa das Lektorat oder bis heute nicht veröffentlichte Alveraniars-Abenteuer. Beides betrifft mich als Autor ebenso wie unzufriedene Spiel(leit)er, und wie Letztere freue ich mich hier über Besserungen. Man muss und soll auf Missstände hinweisen dürfen, denn ohne Feedback und Kritik kann man sich bekanntlich nur schwerlich verbessern.
Bei Gotongi frage ich mich nun durchaus, ob es dem oder den Macher(n) wirklich um eine qualitative Verbesserung des Produktes geht oder schlicht ums Stänkern. Nichts gegen eine Polarisierung oder Polemik. Eine scharf abgegrenzte und auch unbequeme Position kann häufig der Auftakt einer konstruktiven Diskussion sein, wenn man bereit ist, diese Diskussion zu führen und nicht nur auf seinem Standpunkt verharren möchte. Bei Gotongi bin ich mir noch nicht sicher, welchen Weg der Blog verfolgen will.
Wenn Gotongi mehr sein will, als nur ein Ort im Internet, an dem man, gehüllt im behaglichen Mantel der Anonymität, lautstakt verbreiten kann, was für eine böse, böse Vereinigung Ulisses Spiele ist, kann die Seite ein Gewinn sein. Ein Auge, das alles sieht, sieht auch die positiven Entwicklungen. Doch für differenzierte Betrachtungen scheint der geflügelte Knecht des Herrn der Rache noch nicht bereit.
